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E-kniha: Guido List – poeta vates der österreichischen Alldeutschen -- Ein Beitrag über die literarische Produktion des Völkisch gesinnten Schriftstellers, Dichters und Denkers Guido List – Petr Pytlík

Guido List – poeta vates der österreichischen Alldeutschen -- Ein Beitrag über die literarische Produktion des Völkisch gesinnten Schriftstellers, Dichters und Denkers Guido List

Elektronická kniha: Guido List – poeta vates der österreichischen Alldeutschen
Autor: Petr Pytlík
Podnázev: Ein Beitrag über die literarische Produktion des Völkisch gesinnten Schriftstellers, Dichters und Denkers Guido List

Práce analyzuje rané dílo spisovatele a zakladatele ariosofie Guida Lista (1848-1919). Guido List je v ní představen jako zvláštní typ autora, poeta vates. Práce jeho dílo analyzuje jako silně ideologicky zatížené. V analytické části se ... (celý popis)
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Jazyk: německy
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Specifikace
Nakladatelství: » Masarykova univerzita
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PDF
Upozornění: většina e-knih je zabezpečena proti tisku a kopírování
Médium: e-book
Rok vydání: 2019
Počet stran: 139
Rozměr: 24 cm
Vydání: Erste Ausgabe
Skupina třídění: Německá literatura (o ní)
Jazyk: německy
ADOBE DRM: bez
ISBN: 978-80-210-9208-2
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Popis / resumé

Práce analyzuje rané dílo spisovatele a zakladatele ariosofie Guida Lista (1848-1919). Guido List je v ní představen jako zvláštní typ autora, poeta vates. Práce jeho dílo analyzuje jako silně ideologicky zatížené. V analytické části se zaměřuje na román Carnuntum (1888), který je brán jako příkladný text pro bližší popis Listova způsobu psaní a argumentačních strategií.

Popis nakladatele

Práce analyzuje rané dílo spisovatele a zakladatele ariosofie Guida Lista (1848–1919). Guido List je v ní představen jako zvláštní typ autora, poeta vates. Práce jeho dílo analyzuje jako silně ideologicky zatížené. V analytické části se zaměřuje na román Carnuntum (1888), který je brán jako příkladný text pro bližší popis Listova způsobu psaní a argumentačních strategií. Navazující, diskurzivně orientované kapitoly práce se zabývají Listovým pojetím role ženy v germánské společnosti a kultuře a jeho antisemitismem. Na základě těchto diskurzivních polí jsou v práci identifikovány kořeny jeho ideologie a je podniknut pokus o dekonstrukci jeho argumentace. Práce je primárně určena pro historiky a literární vědce zabývající se německým hnutím Völkische Bewegung (1870–1930), obecně se dále dotýká výzkumu konzervativního myšlení, ale i dalších témat, například historií moderních náboženských hnutí (ariosofie).

(ein Beitrag über die literarische Produktion des Völkisch gesinnten Schriftstellers, Dichters und Denkers Guido List)
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Guido List - Poeta Vates der Österreichischen Alldeutschen Guido List
 
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MASARYK

UNIVERsITy

Press




Ein Beitrag

über die literarische

Produktion des Völkisch

gesinnten Schriftstellers,

Dichters und Denkers

Guido List


Masaryk University Press

Brno 2019


Rezensenten:

Mgr. Jan Budňák, Ph.D.

doc. PhDr. Květoslava Horáčková, Ph.D.

© 2019 Masarykova univerzita, Petr Pytlík

ISBN 978-80-210-9208-2

ISBN 978-80-210-9209-9 (online : pdf)


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

1.1 Forschungsstand und Zielsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 1.2 Biographien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1.3 Ideologiekritik als überwiegende Betrachtungsweise des Werks

von Guido List . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

1.4 Rezeptionsforschung − Forschungslücken . . . . . . . . . . . . . . . 13 1.5 Guido List in der Literaturwissenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 1.6 Zielsetzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 1.7 Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 1.8 Was bringt eine werkmonographische Studie? . . . . . . . . . . . . . 23

2. Kurze Vorstellung von Guido List . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

3. Landschaften wie Urkunden lesen (1877−1891) . . . . . . . . . . . . . . 31

3.1 Journalistische Erfolge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 3.2 Literarische Gesellschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

4. Literarische Verarbeitung

der Forschungsergebnisse (1888−1903) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

4.1 Der Roman – Carnuntum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

4.1.1 Exposition und Erzählstrategien . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

4.1.2 Figurentypologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48

4.1.3 Trivialliterarische Elemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

4.1.4 Aktualisierungen – Industrielle Gesellschaft . . . . . . . . . . . . 55

4.1.5 Okkulte Geheimbünde und Rituale –

erste ariosophische Ansätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57

4.2 Carnuntum und List – ein verhängnisvolles Verhältnis . . . . . . . . . . 60 4.3 Vergleichende Analyse der Völkischen Forschungsberichte

über Carnuntum – Guido Lists Der Wiederaufbau von Carnuntum

und Heinrich Kirchmayrs Der altdeutsche Volksstamm der Quaden . . . 61

4.3.1 Carnuntum in der Geschichtswissenschaft . . . . . . . . . . . . 62

4.3.2 Völkische beschreibungen der Eroberung von Carnuntum . . . . . 64 4.4 Jung Dieter ́s Heimkehr,

eine Sonnwendgeschichte aus dem Jahre 488 n. Chr. . . . . . . . . . . 67

4.5 Der Roman − Pipara . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

4.5.1 Inhalt des Romans . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72

4.5.2 Erzählstrategie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Alraunenmären . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74

4.7 Epische und dramatische Werke – Suche nach einer geeigneten Form für

ideologische Botschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76

5. Lists völkisch-religiöse Dramen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80

5.1 Ernst Wachlers Theaterreform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81

5.2 Kombinatorik als „Forschungsmethode“ . . . . . . . . . . . . . . . . 84

5.2.1 Die Erfindung der Tradition bei Guido List . . . . . . . . . . . . . 84

5.2.2 Historische Überlieferung über Vannius und den Stierfelsen

und der Forschungsstand zu Lists zeiten . . . . . . . . . . . . . . 87

5.2.3 Vannius und der Stierfelsen im Drama König Vannius – auswählen,

missinterpretieren, kombinieren . . . . . . . . . . . . . . . . . 89

6. Frauenfiguren im Werk Guido Lists . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

6.1 Romantische Germanenrezeption: der Germane und der Römer . . . . . 94

6.2 Mann-Frau Rollenverteilung und Kritik an der Industriegesellschaft . . . 95

6.3 Literarische Darstellung der Frau-Mann Rollenverteilung . . . . . . . . 98

6.4 Hexendeutungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .100 7. Der Jude als Auffresser aller Kulturvölker . . . . . . . . . . . . . . . . .104

7.1 Lists Antisemitismus und die Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . 105

7.2 Biographische Bemerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

7.3 Literarische sadomasochistische Phantasien . . . . . . . . . . . . . . 110

7.4 Antisemitische Weltanschauungsliteratur − Forderungen

nach einer Revision der Verhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . .111

7.5 Lists Antisemitismus und seine anderen Antiismen . . . . . . . . . . . 113

7.6 Theosophische Einflüsse und weitere Radikalisierung nach 1900 . . . . 115 8. Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 9. Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .127 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129

Primärliteratur (Guido Lists Texte) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129

Zeitungsartikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130

Sekundärliteratur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133

Zeitgenössische Literatur und Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . 133

Forschungsliteratur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 134

Namenregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

| 7

1. Einleitung

Guido List – für einige seiner Zeitgenossen „der Meister“, für andere ein ver

wirrter Autodidakt, für die meisten Menschen des 21. Jahrhunderts ein zu

Recht vergessener Schriftsteller und Denker, für verschiedene zumeist obskure

Gruppierungen ein Prophet, der auf seine Entdeckung wartet. Nicht nur sei

ne Persönlichkeit, sondern auch seine Theorien sind voll von Widersprüchen.

Seine Texte balancieren an der Grenze von Fiktion und historischer Darstel

lung, Roman und Geschichtsessay, Umwertung antiker Tradition und Prägung

eines Neuheidentums. Guido List stellt einen recht eigenwilligen Autorentyp

dar. Autoren wie er tauchen in jeder Zeitepoche auf, sie sind stark in ihre

Epoche eingebunden, hängen viel von ihren Anhängern ab, produzieren oft

künstlerisch wertlose Texte, bauen aber desto fleißiger und hartnäckiger ihren

Persönlichkeitsmythos und sind in ihren Argumentationsstrategien äußerst

kreativ. Die hier genannten Aspekte werden in dieser Arbeit veranschaulicht,

spezifische Argumentationsweisen Lists werden erörtert, die Instrumentali

sierung von literarischen Gattungen zu ideologischen Zwecken wird ausge

wertet, die Kunst des Balancierens und der Kombinatorik und Missdeutung

von scheinbar eindeutigen Phänomenen hervorgehoben – es wird Lists Suche

nach einer geeigneten (literarischen) Form für seine Deutungen anhand von

seinen eigenen Texten und den Texten seiner Anhänger, Freunde und Mit

streiter veranschaulicht. Die vernichtende Kritik der Werke Lists von seinen

Zeitgenossen sowie die Nachwirkung und moderne Rezeption werden dabei

nicht ausgeblendet. Die Tendenz, Lists Wirkung auf die nationalsozialistische

Ideologie zu überschätzen, wird in dieser Arbeit erwähnt und es werden auch

einige Thesen dieser Forschungsrichtung untersucht und mit Zitaten aus Lists

Texten konfrontiert. Das Hauptanliegen dieser Arbeit liegt allerdings nicht

in der Ideologiekritik. Es ist deshalb nicht das Ziel dieser Arbeit Hypothe

sen über die Wurzeln der NS-Ideologie im Armanentum zu widerlegen. Eher

handelt sich um einen Versuch Lists spezifische Weltanschauung und Persön

lichkeit im Kontext seiner Zeit zu untersuchen, aber auch die allgemeinen Me

chanismen ähnlicher allumfassender Ideologien zu veranschaulichen. | P. PYTLÍK: GUIDO LIST – POETA VATES DER ÖSTERREICHISCHEN ALLDEUTSCHEN 1.1 Forschungsstand und Zielsetzung Die Erforschung der Völkischen Bewegungen, in deren Paradigma auch das Werk und die Persönlichkeit Guido Lists fallen

1

, wird von der Disparatheit der

politisch-sozialen und geistig-religiösen Strukturen um 1900 erschwert. Die Diversität der verschiedenen Strömungen, ihre Streitigkeiten, Spaltungen und widersprüchliche Thesen und Überschneidungen zur Politik, Religion und Literatur machen es unmöglich, die Völkische Bewegung als ein überschaubares Phänomen mit trennscharfen (seien sie literatur- oder geschichtswissenschaftlich) Begriffen und Definitionen zu erfassen. Als gemeinsames Merkmal der zersplitterten und ideologisch sehr unterschiedlich organisierten Völkischen Gruppierungen wird das Ziel der rassischen Erneuerung und „Wiedergeburt“ der Deutschen genannt. Deshalb wird von Uwe Puschner die Völkische Rassenideologie als Generalschlüssel zum Verständnis von Völkischer Weltanschauung und Bewegung“ betrachtet.

2

Von diesem Standpunkt aus gesehen kann die um Guido List versammelte

Gruppierung, die Guido-von-List-Gesellschaft, der Völkischen Bewegung zugeordnet werden, wobei allerdings, wie auch bei einigen anderen Völkischen Denkern, etwa Friedrich Lienhard, ein starker Nachdruck auf Religionsinhalte, vor allem auf “intuitives und individualisiertes“ Religions(selbst)verständnis, festzustellen ist. Es ist anzunehmen, dass sich eben dank diesem Aspekt die Anhänger verschiedenster ideologischer Strömungen wie der New-Age-Bewegung, die Neuheiden oder Rechtsextremisten mit Lists Weltanschauung identifizieren konnten und können. Die Widersprüchlichkeit und Uneindeutigkeit seiner Theorien wirkte sich auf sehr unterschiedliche Rezeption und Interpretation seiner Weltanschauung aus, die noch mehr als einhundert Jahre nach der Entstehung mit aktuellen Inhalten und Fragen kompatibel ist.

Aus der ziemlich breiten Definition der Völkischen Bewegung ergibt sich

eine weitere Schwierigkeit bei der Erforschung der einzelnen Völkischen Gruppierungen und Denker, die in der Suche nach einer angebrachten Forschungsmethode, bzw. Wissenschaftsrichtung besteht. Die meisten Völkischen Gruppierungen und Persönlichkeiten können religiös, politisch und einige auch literarisch definiert werden. Deshalb kann eine einzige Wissenschaftsrichtung die Völkische Bewegung in allen ihren Aspekten nicht komplex beschreiben. 1 Guido List gilt dabei als Vorläufer und ideologischer Inspirator einiger bedeutender Persönlichkeiten der

Völkischen Szene, vor allem sind Phillip Stauff und Lanz von Liebenfels zu nennen. Die Guido-von-List

Gesellschaft versammelte viele namhafte Völkisch orientierte Persönlichkeiten, ihr Verzeichnis bietet

eine gute Übersicht wichtiger deutscher und österreichscher Völkischer Vertreter. 2 Puschner, Uwe: Die Völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Sprache – Rasse – Religion,

Darmstadt 2001, S. 16. Diese These ist aber ebenfalls zu präzisieren, Stefan Breuer zum Beispiel nimmt

an, dass Volk und Nation bei den Völkischen weitaus höher als die Rassenlehren bewertet wurden. Im

konkreten Fall Guido Lists werden die Prioritäten zusammen mit der dynamischen Entwicklung seiner

oft widersprüchlichen Ideologie immer wieder neu definiert. Es wäre eine Vereinfachung, sein Gesamt

werk als rassistisch bzw. antisemitisch, nationalistisch oder religiös-okkult zu bezeichnen. Als Vorläufer

und Inspirator der Völkischen hat er aber sicherlich einige wichtige rassistische Dogmen mitgeprägt. EINLEITUNG | 9 Bei der Erforschung der Völkischen überwiegt heute die Betrachtungsweise der politischen Ideengeschichte, bei der es aber immer wieder schwer fällt, die Grenzen zwischen deutsch-nationalen und radikal-völkischen Positionen deutlich zu markieren.

3

Die bisher vorliegenden Arbeiten zum Völkischen Den

ken untersuchen zumeist entweder geistesgeschichtliche Fragen oder sind ausschließlich auf die politischen Dimensionen und fatalen Folgen des Völkischen Diskurses fixiert. Außerdem wurden bis heute ganz wenige Protagonisten der Völkischen Bewegung bzw. einzelne bedeutende Agitationsverbände ausführlicher behandelt.

4

In der letzten Zeit sind mehrere Publikationen entstanden,

die diese Forschungsnische ausfüllen sollen. Junge Wissenschaftler, wie Stefanie v. Schnurbein, Gregor Hufenreuter, der eine Monographie über Philipp Stauff, den Präsidenten der Guido- von-List-Gesellschaft und Lists Nachfolger, publiziert hat,

5

oder Felix Wiedemann, der die Völkische Ideologie in diskursiv an

gelegten Studien kontextualisiert,

6

versuchen diese Forschungslücken zu füllen.

Die Frage nach den Einflüssen der Völkischen Ideologie auf den Nationalsozialismus tritt indessen in den Hintergrund. Es werden die Anatomie der Völkischen Bewegungen, die Denkmuster und Rezeptionsmechanismen, synchrone und diachrone Gemeinsamkeiten Völkischer und nationalistischer Ideologien und auch aktuelle Identifizierungsmöglichkeiten erörtert, die darin die heutigen Menschen suchen. Diese Arbeit soll einen Beitrag zu dieser neuorientierten Forschung der Völkischen Bewegungen leisten.

Die Situation eines Forschers, der sich mit Guido List befasst, ergibt sich

aus dem oben erwähnten, da auch List als „Forscher“ und Literat nicht nur im Völkischen, sondern in sehr verschiedenen Kontexten auftaucht und schließlich heute als führender Theoretiker der neuheidnischen Bewegungen rezipiert wird. Deshalb könnte er von den Religionswissenschaftlern erforscht werden. Auf diesem Feld gibt es allerdings wenige Beiträge

7

, wobei einige vereinzelte

3 vgl. Hartung, Günter: Völkische Ideologie, In: Hartung, Günter u. Orlowski, Hubert: Traditionen und Tra

ditionssuche des deutschen Faschismus, Halle: Wissenschaftliche Beiträge der Martin-Luther-Universi

tät Halle-Wittenberg: 1987. 4 vgl. Schnurbein, Stefanie v., Ulbricht, Justus H. (Hrsg.): Völkische Religion und Krisen der Moderne.

Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende. Königshausen & Neumann, Würz

burg: 2001, S. 34. 5 Hufenreuter, Gregor: Philipp Stauff. Ideologe, Agitator und Organisator im Völkischen Netzwerk des Wil

helminischen Kaiserreichs. Zur Geschichte des Deutschvölkischen Schriftstellerverbandes, des Germa

nen- Ordens und der Guido-von-List-Gesellschaft. Frankfurt am Main: 2011. 6 Wiedemann, Felix: Rassenmutter und Rebellin: Hexenbilder in Romantik, Völkischer Bewegung, Neuhei

dentum und Feminismus. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg: 2007.

7 vgl. Baer, Harald: Arischer Rassenglaube − gestern und heute, Information Nr. 129, XI, Evangelische Zen

tralstelle für Weltanschauungsfragen, Stuttgart: 1995; Schnurbein, Stefanie v.: Religion als Kulturkritik,

Neugermanisches Heidentum im 20. Jahrhundert, Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg: 1992;

Schnurbein, Stefanie v.: Göttertrost in Wendezeiten – Neugermanisches Heidentum zwischen New Age

und Rechtsradikalismus, Claudius Verlag, München: 1993; von Schmid, Georg / Schmid Otto Georg: Kir

chen, Sekten, Religionen, Religiöse Gemeinschaften, weltanschauliche Gruppierungen und Psycho

Organisationen im deutschen Sprachraum. Ein Handbuch, Theologischer Verlag Zürich: 2003; Sünner,

Rüdiger: Schwarze Sonne, Einfesselung und Missbrauch der Mythen in Nationalsozialismus und rechter

Esoterik, Herder, Freiburg in Breisgau: 1999. | P. PYTLÍK: GUIDO LIST – POETA VATES DER ÖSTERREICHISCHEN ALLDEUTSCHEN Zitate von List und die einschlägigen Thesen ohne tiefere Analyse seiner Texte und seiner Weltanschauung verwendet werden. Guido List wird als Vorläufer der neuheidnischen Bewegungen erkannt, aber eine gründlichere Fragenstellung, die die ideologischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede befragen würde und diese erörtern könnte, bleibt aus. Ferner ist allerdings ebenfalls nicht ohne Bedeutung, dass die Werke von Guido List sowie die Werke einiger anderer Völkischen Theoretiker, etwa von Ernst Tiede, Friedrich Bernhard Marby oder Jörg Lanz von Liebenfels, heute übersetzt und herausgegeben werden. Neulich (2012) ist beispielsweise eine englische Übersetzung des Buches Vo n der Deutschen Wuotanpriesterschaft von List als elektronisches Buch erschienen.

8

In Österreich werden seine Werke vom Verlag Edition Geheimes Wissen in

Graz herausgegeben.

9

Eine nicht zu übersehende Schwierigkeit bei der Erforschung von Lists li

terarischem Werk sind die verschiedenen sehr unterschiedlichen bibliographischen Verzeichnisse seiner Werke. Die meisten Forscher weisen auf die Bibliographie von Nicolas Goodrick-Clarke hin, der die Bibliographie von Balzli übernimmt und diese nur mit dem Werk Tauf-, Hochzeits- und Bestattungsbräuche und deren Ursprung (1892) ergänzt.

10

Österreichisches Bio

graphisches Lexikon fügt noch viele weitere Werke (Zeizzoberg, Ellida, Der Lügenrächer)

11

hinzu, andere werden dagegen in diesem Lexikon nicht er

wähnt (unter ihnen auch der bekannte Roman Carnuntum). Umstritten ist

Lists Autorschaft des Dramas Die Blaue Blume, das bei Brigitte Hamann und

Wilfried Daim erwähnt wird. Diese Arbeit sollte unter anderem eine mög

lichst komplette und überprüfte Bibliographie der Werke von Lists liefern. 1.2 Biographien Zur Person Guido Lists liegen zwar monographische Arbeiten vor, sie stammen aber zumeist von seinen Anhängern. Die meisten Artikel vor 1905, wie zum Beispiel der 1894 erschienene Text vom führenden Völkischen Autor Friedrich Lienhard mit dem Titel Guido List in Das Zwanzigste Jahrhundert

12

,

betrachteten List als einen Schriftsteller. Auch der monographische Artikel mit dem Titel Guido List, Lebensbild eines Wiener Poeten aus dem Jahre 1905, er

schienen in den Randglossen zur Deutschen Literaturgeschichte

13

bezeugt, dass

8 List, Guido, The german Wotan Priesthood. Zu kaufen als Kindle book, 2012.

9 Erschienen sind bisher folgende Bücher: Alraunenmären, Der Übergang vom Wuotanismus zum Chris

tentum, Die Rita der Ario-Germanen, Die Religion der Ario-Germanen, Der Wiederaufbau von Carnun

tum. Mit zwei Landkarten aus dem Jahre 1567, Der Unbesiegbare, Das Geheimnis der Runen.

10 Goodrick-Clarke, Nicolas: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, L. Stocker Verlag, Graz: 1997. 11 Zeizzoberg und Ellida werden ebenfalls in dem Kürschners deutscher Literatur-Kalender erwähnt:

Kürschners deutscher Literatur-Kalender, Bd. 11, Leipzig: 1889, S. 197.

12 Lienhard, Fritz (d.i. Friedrich): Guido List, Das Zwanzigste Jahrhundert, 1894, S. 189–191. 13 E.H.: Guido List, Lebensbild eines Wiener Poeten, In: Anton Breitner (Hrsg.): Randglossen zur Deutschen

Literaturgeschichte, Bd. 11, Wien: Adalbert della Torre, o.J., 1905, S. 1–58.


1. EINLEITUNG | 11

List um 1900 immer noch als Dichter rezipiert wurde, seine umfangreichen „Forschungsberichte“, die ihm den Ruhm unter den Völkischen bringen sollen, erschienen zumeist erst nach 1905. Die Studie von Jörg Lanz von Liebenfels mit dem Titel Guido von List, ein moderner Skalde aus dem Jahre 1907

14

be

trachtet List nicht mehr als Schriftsteller, sondern als Völkischen Forscher und Denker. Dies entspricht auch Lists Selbstpositionierung. Nach 1903 präsentierte sich List selbst als „Prophet der armanischen Wiedergeburt“. Er schrieb keine Romane und Dramen mehr. Seine Weltanschauung, die in den früheren Romanen verdeckt zum Ausdruck kam, versuchte er in seinen Forschungsberichten detailliert herauszuarbeiten und er wollte als Wegbereiter der armanischen Erneuerung wahrgenommen werden. Dieses Bild übernahm später auch sein Anhänger Johannes Balzli in der bekanntesten und am meisten zitierten Biographie mit dem Titel Guido v. List. Der Wiederentdecker uralter arischer Weisheit, die noch zu Lists Lebzeiten, im Jahre 1917, erschienen ist. Sie gilt als die wichtigste Quelle für die biographische Darstellung des Forschers Guido List, weil sein Nachlass verschollen ist. Es gibt nur wenige Briefe, die in verschiedenen Archiven in Österreich, Deutschland und Tschechien zerstreut sind. Da Balzli in seinem Werk auch ziemlich viele Dokumente aus dem „Archiv des Meisters“ und einige seine Texte und Vorträge

15

abdrucken

ließ, dient es als die wichtigste Quelle zu Lists Biographie und Gedankensystem. Es ist allerdings angebracht, sie mit einem kritischen Auge zu lesen, Balzli war schließlich sein begeisterter Anhänger und er unterstützte mit seiner Biographie eher die Selbstpositionierung seines „Meisters“ Guido List. Er übernimmt Lists rhetorisches Pathos, das Vokabular und prägt den Propheten-Mythos von List mit. Diese Biographie wurde in den 80er Jahren von Nicolas Goodrick-Clarke kritisch beurteilt, der viele Zeitdokumente versammelte und die Angaben verglich.

Andere Kurztexte folgten nach dem Tod von List im Jahre 1919. Der damalige Vorsitzende der Guido-von-List-Gesellschaft Philipp Stauff schrieb eine Nachricht im Völkischen Blatt Münchener Beobachter (1919), Guido von List gestorben, und anschließend einen umfangreicheren Bericht Von unseres Meister Letzter Zeit, der als Anhang zur dritten Auflage der Rita der Ario-Germanen (das letzte vollendete Werk von List) 1920 erschienen ist. In diesem kurzen Artikel fasst Stauff die Weltanschauung Lists zusammen und auf deren Grundlage bildet er seine eigene Ideologie, die die Thesen von List weiterentwickelt und radikalisiert.

Lists Freund Jörg Lanz von Liebenfels verfasste für die Zeitschrift für Menschenkenntnis und Schicksalsforschung den Artikel Guido von List, eine ariomantische Studie (1927). Zusammen mit diesem Artikel erschien in derselben Zeitschrift die Studie Guido von List, Der Skalde, Seher und Forscher von Arthur 14 Liebenfels, Jörg Lanz von: Guido List, ein moderner Skalde, P. Zillmann, Gross-Lichterfelde: um 1907. 15 Siehe Verzeichnis am Ende des Buches. | P. PYTLÍK: GUIDO LIST – POETA VATES DER ÖSTERREICHISCHEN ALLDEUTSCHEN Wolf-Wolfsberg, die sich unter anderem mit Lists literarischem Frühwerk befasste. Im Jahre 1932, in dem der Prophezeiung von List zufolge die Ankunft des Starken von Oben zu erwarten war, erschien der Artikel Guido von List,

der Völkische Philosoph und Prophet Augusts Horneffers, Mitglied des Vereins

Deutsche Freimaurer

16

.

Sämtliche biographische Texte über Guido List, verfasst von seinen An

hängern, hatten zum Zweck die Verbreitung von Lists Thesen unter den Völkischen, sie übernahmen seine Weltanschauung und sein Vokabular. Sie beinhalten eine ganze Reihe von Angaben über List, die nicht überprüft werden können und bieten eine einfältige Interpretation seiner Weltanschauung. Anderseits ist beispielsweise besonders Balzlis Monographie eine wichtige Quelle über Guido Lists Leben und Werk. 1.3 Ideologiekritik als überwiegende Betrachtungsweise des Werks von Guido List Die bisherige Forschung zu Guido List war und ist zum größten Teil von der These über die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus geprägt. Die vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten über List haben viele ideologische Gemeinsamkeiten von Lists Ideen und deren Hitlers aber auch direkte persönliche Verbindungen der Mitglieder der Guido-von-List-Gesellschaft zu den Völkischen in Deutschland und zum nationalsozialistischen Milieu entdeckt.

17

Da

die Suche nach diesen Zusammenhängen sehr intensiv war, hat sie andere Aspekte der Weltanschauung von Guido List ausgeblendet oder zu einigen Missinterpretationen geführt, ein Beispiel dafür ist Lists These über den „Starken von Oben“, die in einen direkten Zusammenhang mit Hitlers Selbstwahrnehmung gebracht wurde.

18

Die erste Analyse der gemeinsamen ideologischen

Merkmale der Weltanschauung Guido Lists und des Nationalsozialismus wurde von Joachim Besser schon im Jahre 1949 veröffentlicht.

19

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts folgten mehrere Studien, die ok

kulten Wurzeln zu belegen suchten. Im Jahre 1958 veröffentlichte der österreichische Psychologe Wilfried Daim sein berühmtes Buch Der Mann, der Hitler 16 Dr. August Horneffer, Philosoph, (geb. 5.7.1878 in Treptow a. d. Rega/Pommern − gest. 1955 in Berlin)

aufg. 19.3.1911 Loge „Zum aufgehenden Licht an der Isar“ in München, Großschriftführer der Groß

loge Royal York, genannt „Zur Freundschaft“ in Berlin, leitete die Herausgabe des Bundesblattes „Am

Rauhen Stein“ und überarbeitete die Fischer-Katechismen. Er war der erste Großredner der „Vereinig

ten Großloge der Freimauer von Deutschland“ und hielt bei deren Gründung am 19. Juni 1949 in der

Paulskirche zu Frankfurt die Festrede. 17 Diese These hat auch Brigitte Hamann in ihrem bekannten Buch Hitlers Wien übernommen. 18 Hamann, Brigitte: Hitlers Wien: Lehrjahre eines Diktators, Piper München: 1997, S. 303. 19 Besser, Joachim: Der Okkultismus stand Pate. Hitlers geistige Herkunft, In: Archiv der unabhängigen

Gesellschaft zur Pflege junger Wissenschaft und Kunst. Peine 1. Vierteljahr 1949.



       
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